Den Menschen zuliebe

Wir engagieren uns für Wissenschaft, Bildung, Kultur und Soziales auf vielfältige Weise: Wir organisieren Vortragsreihen, vergeben Preise, unterstützen Menschen in Ehrenämtern und fördern unsere sieben Tochterinstitute. Gemeinsam gestalten wir ein lebenswertes und zukunftsfähiges Frankfurt. 2016 feiern wir unser 200-jähriges Jubiläum – Anlass, über unsere Werte zu sprechen: Im ersten Halbjahr unserer Vortragsreihe heißt es „In der Tradition der Aufklärung“. Ab Mitte des Jahres blicken wir in die Zukunft: Was erwartet uns in Forschung, Wirtschaft, Digitalisierung und Bildung? Erstklassige Referenten werden Sie zum „Leben 4.0“ inspirieren und Impulse zur Zukunft Europas, zur liberalen Gesellschaft, zu digitalen Geschäftsmodellen und zu neuesten Entwicklungen der Pflanzenbiotechnologie geben.

200 Jahre Polytechnische Gesellschaft

800 geladene Gäste feiern mit den Polytechnikern am 24. November in der Paulskirche

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Auf den Spuren der Polytechnischen Gesellschaft

Anlässlich des 200. Jubiläums der Polytechnischen Gesellschaft konzipierten Studierende des Historischen Seminars der Goethe-Universität einen spannenden Stadtrundgang und betrachten bekannte Orte neu.

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Ein neuer Anfang

Mit einer seltenen Augenkrankheit konfrontiert hat Angelica Battilocchi ihr Leben hinterfragt und einen Neuanfang gewagt. Unterstützt hat sie dabei die „Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte“.

„Ich wurde in Norditalien, in Parma geboren. Während meines Studiums kam ich über ein Erasmus-Stipendium nach Deutschland und entschloss mich nach dem Diplom, nach Deutschland zu ziehen. In dieser Zeit bemerkte ich zum ersten Mal, dass mein Sehvermögen nachließ. Ich hatte Probleme, im Dunkeln zu sehen, und auch bei grellem Sonnenlicht setzte mein Gesichtssinn aus. Also ging ich zum Augenarzt, wurde an die Uniklinik in Mainz überwiesen und dort  gründlich untersucht. Die Diagnose war niederschmetternd: Retinitis pigmentosa, eine genetisch bedingte Erkrankung der Netzhaut. In meiner Familie war diese Krankheit zuvor niemals aufgetreten. Gegen sie gibt es keine Therapie, und  zum Krankheitsverlauf gehört es, dass sie sich über die Jahre hinweg verschlechtert. Im Jahr 2012 kam eine weitere, seltene Augenerkrankung hinzu: ein sogenanntes Makula Foramen, ein Loch in der Makula, durch das
mein Sehvermögen weiter eingeschränkt wurde. Eine solche Erkrankung kann normalerweise behandelt werden – allerdings nicht, wenn die Netzhaut sich bereits in Auflösung befindet.

In den folgenden Jahren war ich dennoch durchgängig berufstätig: Für eine italienische Modekette, für eine italienische Bank, für eine große deutsche Bank und schließlich für eine Anwaltskanzlei. In dieser Zeit wurden meine Augen  immer schlechter, und eine meiner größten Leidenschaften, das Lesen, war plötzlich nicht mehr möglich. Ich war in Deutschland geblieben, hatte inzwischen geheiratet und stand irgendwann vor der Frage: Was mache ich? Meine  beruflichen Tätigkeiten aufgeben und mich meiner zunehmenden Sehbehinderung fügen? Eine wirklich deprimierende Perspektive! Oder dagegen ankämpfen und trotz des zunehmenden Handicaps die Herausforderung annehmen und als stark Sehbehinderte einen neuen Anfang wagen? Ich habe mich für den aktiven Weg entschieden, dabei viel Glück gehabt und umfassende Unterstützung erfahren.

Mein großes Glück im Unglück war, dass ich bei meinen Recherchen zu Hilfen für Sehbehinderte auf eine ganz besondere Einrichtung gestoßen bin: die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Dieses Tochterinstitut der Polytechnischen Gesellschaft fördert und unterstützt Blinde und Sehbehinderte mit einem ganzheitlichen Ansatz: Mit verschiedenen Ausbildungs- und Schulungsprogrammen sowie Musik- und Kunstangeboten hilft sie gezielt und individuell. Wie gut dasfunktioniert, konnte ich selber erleben. Zunächst haben mich blinde Lehrer im Lesen und Schreiben der Blindenschrift unterrichtet. Und zwar in der Vollschrift wie in der Kurzschrift. Letztere hat den Vorteil, dass man sehr viel schneller lesen kann und mehr Auswahl an Lesematerial verfügbar ist. Wichtig für mich war auch das Training am Computer. Die moderne IT bietet Sehbehinderten heute neue, attraktive Möglichkeiten der Information und Kommunikation, von denen man noch vor 10 Jahren nicht zu träumen wagte. Eine weitere wichtige Komponente im Angebot der Stiftung ist das Mobilitätstraining. Praktisch geht es darum, sich als Blinde selbständig in der Öffentlichkeit bewegen zu können. Das wichtigste Werkzeug hierfür ist der Langstock. Anfangs hatte ich Hemmungen, mich auf den Stock einzulassen. Ich hatte aber auch die Erfahrung gemacht, dass es ohne den Stock nicht geht.
In letzter Zeit konnte ich mich in der Stadt nicht mehr richtig bewegen, stolperte und konnte beispielsweise Treppenstufen nicht mehr erkennen. Mein Mobilitätslehrer in der Stiftung hat mir meine anfänglichen Bedenken schnell genommen und mich so trainiert, dass ich mich heute auf Straßen und Plätzen selbstsicher bewegen kann. Die Aktivitäten der Stiftung beschränken sich jedoch nicht nur auf diese für mich so wichtigen Fertigkeiten. Entscheidend ist auch, dass hier eine einmalige Aus- und Weiterbildung in Medienberufen angeboten wird. Seit 2015 werde ich zur PR-Junior-Beraterin ausgebildet – in einem dualen Ansatz, der praktische Arbeit bei meinem neuen Arbeitgeber und  Hilfestellungen aller Art durch die Stiftung kombiniert. In dieser Lebenssituation war für mich die Stiftung ein echter Glücksgriff. Sie hat mir eine neue Perspektive eröffnet und einen herausfordernden wie zukunftsweisenden beruflichen Weg eröffnet.“

Angelica Battilocchi im Garten der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte, wo sie viel Unterstützung erfahren hat.

Deutscher Stifterpreis 2016 geht an die Polytechnische Gesellschaft

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