Den Menschen zuliebe

Wir engagieren uns für Wissenschaft, Bildung, Kultur und Soziales auf vielfältige Weise: Wir organisieren Vortragsreihen, vergeben Preise, unterstützen Menschen in Ehrenämtern und fördern unsere sieben Tochterinstitute. Gemeinsam gestalten wir ein lebenswertes und zukunftsfähiges Frankfurt. 2016 feiern wir unser 200-jähriges Jubiläum – Anlass, über unsere Werte zu sprechen: Im ersten Halbjahr unserer Vortragsreihe heißt es „In der Tradition der Aufklärung“. Ab Mitte des Jahres blicken wir in die Zukunft: Was erwartet uns in Forschung, Wirtschaft, Digitalisierung und Bildung? Erstklassige Referenten werden Sie zum „Leben 4.0“ inspirieren und Impulse zur Zukunft Europas, zur liberalen Gesellschaft, zu digitalen Geschäftsmodellen und zu neuesten Entwicklungen der Pflanzenbiotechnologie geben.


Auf den Spuren der Polytechnischen Gesellschaft

Anlässlich des 200. Jubiläums der Polytechnischen Gesellschaft konzipierten Studierende des Historischen Seminars der Goethe-Universität einen spannenden Stadtrundgang und betrachten bekannte Orte neu.

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Über Frankfurt, zum Verständnis von Traditionen und zum Thema ehrenamtliches Engagement.

Mit viel Geld tut man am besten viel Gutes. Dies dachten sich jedenfalls die rund 320 Polytechniker nach dem Verkauf ihrer Anteile an der Frankfurter Sparkasse und gründeten im Jahr 2005 ihre „Stiftung Polytechnische Gesellschaft“. Neta Chervinsky erzählt über das Geben und Nehmen in Frankfurt.

Frau Chervinsky, Sie sind in Israel geboren, Ihre Familie hat in Russland gelebt, und Sie sind in Frankfurt aufgewachsen.
Ja, für mich passt das alles sehr gut zusammen. Frankfurt ist eine international geprägte Stadt – die internationalste Stadt in Deutschland. Daher glaube ich, dass ich hier sehr gut aufgehoben bin.

Frankfurt ist international, steht aber auch für eine ganz eigene Tradition. Spielt das für Sie irgendeine Rolle?
Für mich ist das sogar sehr wichtig. Frankfurt war und ist eine Bürgerstadt, eine Handels- und Finanzmetropole. Also keine klassische deutsche Residenzstadt, die durch den Adel geprägt wurde, wie etwa München oder Berlin. Da fällt mir gerade ein: Die deutschen Kaiser wurden ja in Frankfurt gekrönt. Trotz oder vielleicht auch wegen des besonderen Status unserer Stadt.

Ist dieser historische Kontext für Ihre Generation überhaupt noch von Interesse?
Für mich persönlich ist Tradition sehr wichtig. Das hängt auch mit meiner jüdischen Familie zusammen: Wir sind sehr traditionsbewusst und pflegen unseren Zusammenhalt. Leider scheinen vielen Leuten meiner Generation Traditionen nicht besonders wichtig zu sein. Geld und Konsum stehen im Vordergrund. Langfristig hoffe ich jedoch, dass auch die Jugend Traditionen wieder suchen und pflegen wird. Denn dies hat auch mit der Suche nach den eigenen Wurzeln zu tun. Ich würde sogar so weit gehen und sagen: Ohne Tradition keine Identität.

Zur Tradition von Frankfurt gehört auch seit rund 200 Jahren die Polytechnische Gesellschaft. Wie sind Sie damit in Kontakt gekommen?
Ursprünglich über eine Freundin, die sich bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit einem Projekt als StadtteilBotschafterin beworben hatte. Ich hatte sie dabei unterstützt und so die Stiftung näher kennengelernt. Das war alles sehr spannend, und ich habe mich deshalb ein Jahr später selbst als StadtteilBotschafterin beworben. Zum Glück hat man mich dann auch genommen.

Was ist aus Ihrer Sicht so interessant an der Stiftung?
Was für mich ganz wichtig ist: Die Themenfelder sind breit gefächert, und es werden Menschen aus allen Schichten der Stadtgesellschaft angesprochen. Und dabei bewegt sich die Stiftung aktiv auf die Menschen zu. Ein gutes Beispiel dafür sind die Diesterweg-Stipendien, die Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen. Sie befassen sich eben nicht nur mit der Sprachförderung von Kindern, sondern nehmen die gesamte Familie mit. Es geht also um Bildung und Verantwortung in einem umfassenden Sinne, und das trägt zum sozialen und kulturellen Zusammenhalt einer Stadtgesellschaft bei.

Was war Ihr Projekt als StadtteilBotschafterin?
Ich komme aus einer musikalischen Familie. Klassische Musik ist mein Element. Der Titel meines Projekts war: „Voices United! Kulturkonzert. Denn Musik verbindet!“ Meine Arbeitshypothese, mit der ich die Jury und später auch die Kinder von meinem Projekt überzeugen konnte, war sehr praxisbezogen und lautete: „Jeder kann singen.“ Unser Chor hat dann in Bornheim mit den Proben begonnen, und wir haben uns ein halbes Jahr mit einer musikalisch sehr anspruchsvollen Aufgabe befasst, den Zigeunerliedern von Johannes Brahms. Trotz aller Schwierigkeiten und Widerstände war unser Chor ein großer Erfolg, und wir sind schließlich mit den Brahmsliedern im Konzertsaal des Hessischen Rundfunks aufgetreten.

Werden Sie weiterhin für die Stiftung tätig sein?
Ich habe mich auch nach meiner Zeit als StadtteilBotschafterin immer wieder in der Stiftung engagiert. So etwa auf der Wegscheide mit einem Chorworkshop, beim Europaforum, im Rahmen eines Opernprojekts und auch als Jurymitglied für neue StadtteilBotschafter. Auch im laufenden Jahr bin ich wieder aktiv, da mir der Kontakt zur Stiftung und die Unterstützung meiner Stadt sehr wichtig sind. Ich kann zwar im Moment keine großen und zeitaufwändigen Projekte ehrenamtlich leiten, da ich noch studiere und außerdem beruflich stark eingespannt bin. Die Stiftung ist jedoch inzwischen ein Stück Familie für mich geworden, und im Rahmen meiner Möglichkeiten bin ich immer dabei.

Genau. Sie haben ja auch eine Neujahrsrede für die Stiftung gehalten ...
Oh ja, darauf werde ich immer wieder angesprochen. Was ich da gesagt habe, gilt für mich nach wie vor. Ich habe der Stiftung gewünscht, dass sie sich ihren jugendlichen Elan erhalten soll. Dass sie wach bleiben und weiter wachsen soll. Weil Frankfurt und Deutschland so ein Engagement einfach brauchen. Wichtig ist dabei aber auch, dass sie sich ihre Herzlichkeit und ihre familiäre Note bewahrt. Für mich ist es diese Mischung aus frischem Wind und einer warmen Atmosphäre, aus Innovation und Tradition, die unsere Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger über alle sozialen Schichten und Generationen hinweg wirklich weiterbringt.

Zur Stiftung Polytechnische Gesellschaft

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