„Irrend lernt man“

Johann Wolfgang von Goethe

Psychisch erkrankt...
Und mit dabei

Wir beschäftigen uns in diesem Themenfeld mit aktuellen Fragen aus der Welt der Psychiatrie, mit psychischen Erkrankungen und mit unserem Umgang damit. Durch unsere eigenen Erfahrungen mit psychisch Erkrankten sehen wir einen großen Bedarf, die Gesellschaft über die Menschen, ihre Situation und unseren Umgang mit ihnen aufzuklären. Unser Projekt soll dazu beitragen, Ängste vor und Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen abzubauen und Wege aufzuzeigen, wie wir als Individuen und als Gesellschaft erkrankten Menschen helfen können. Hierzu initiieren wir zusammen mit Partnern verschiedene Aktivitäten in Frankfurt.

Bild: Priscilla du Preez (on Unsplash.com)


Das Projekt FLASH: Aufklärung an Schulen über psychische Erkankungen

Eines ist klar: Viele Frankfurter Schüler brauchen Unterstützung. Extrem belastende Situationen wie digitales Mobbing, Stress in der Schule sowie die Corona-Pandemie machen sich bemerkbar bei unseren Jugendlichen – der nächsten Generation unserer Gesellschaft. Das Problem ist: viele Jugendliche trauen sich nicht oder viel zu spät, Hilfe zu suchen. Psychische Not ist immer noch mit einem Stigma behaftet.

Es gibt ein enormes Problem mit der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen in Schulen. Um diese Stigmatisierung zu bekämpfen, wollen wir Schulen unterstützen und Workshops mit Schülern gestalten. Wir wollen Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, offener über psychische Nöte zu reden, frühzeitig Hilfe zu suchen – für sich und andere – und grundsätzlich das Gefühl vermitteln, dass das Anderssein nicht mehr anders, sondern ganz normal ist.  

Unser Projekt wird von den Freunden & Förderern der Goethe-Universität gefördert und von der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Uniklinik Frankfurt, der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt und dem Gesundheitsamt Frankfurt unterstützt.

Ablauf des Workshops

Der dreistündige (4 Schulstunden) Workshop geht auf Fragen der psychischen Gesundheit und zu psychischen Erkrankungen ein. Dabei können wir das Thema Suizidalität und Suizid-Prävention behandeln. Unser Angebot richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler der Klassen 9-13.

Zunächst geben wir eine Übersicht über die psychiatrische Arbeit und arbeiten mit den Schülern an typischen Krankheitsbildern. Dabei wollen wir bei den Jugendlichen Sensibilität für psychische Erkrankungen wecken und das Verständnis für die Situation Betroffener verbessern helfen.

Psychische Erkrankungen - von der Depression bis hin zu bipolaren Störungen und Schizophrenie - sind in unserer Gesellschaft stigmatisiert. Für Kinder und Jugendliche kann das ein großes Problem werden. Sie scheuen sich, Hilfe zu suchen, und bleiben mit ihrer Not allein. Das Projekt FLASH setzt hier an und bietet Workshops an Schulen an, in denen Schülerinnen und Schüler über psychische Erkrankungen aufgeklärt werden und erfahren, wie sie sich und anderen helfen können, wenn sie von psychischen Notlagen in Familie und Freundeskreis betroffen sind. FLASH steht für "Frankfurt Lernt, was Anders Sein Heisst".

Bild: Das neue Logo von FLASH.

Ein wichtiger Aspekt: Am Workshop nimmt ein Betroffener oder eine Betroffene teil und spricht mit den Jugendlichen über sein oder ihr Erleben der psychischen Erkrankung. Am Ende erarbeiten wir Strategien, die die eigene Resilienz stärken und psychischen Erkrankungen (und insbesondere einer Suizidgefährdung) entgegenwirken sollen.

Etwa eine Woche später kommt ein Mitglied unseres Teams erneut in die Schule und bietet in enger Abstimmung mit der Schulleitung eine "Offene Sprechstunde" an, die Schülerinnen und Schülern offensteht, die privat persönliche Anliegen besprechen möchten und, wenn notwendig, erfahren, wo sie professionelle Hilfe finden.

Positive Resonanz auf unsere ersten Schulbesuche

Unsere ersten zwei Schulbesuche führten uns in die Ludwig-Erhard-Berufsschule in Frankfurt. Wir wurden dort mit offenen Armen empfangen. Die Schüler waren höchst interessiert und motiviert, mehr über psychische Erkrankungen zu lernen. Es war für sie eine sehr positive Erfahrung, offen über dieses Thema sprechen zu können. Im Workshop konten wir auf verschiedene Fragen eingehen, etwa: Was ist eine psychische Erkrankung? Wie sieht eine Psychiatrie aus? Was für Therapiemöglichkeiten gibt es? Wo kann ich Unterstützung holen?

    Die Teilnahme eines Betroffenen, der von einer psychischen Erkrankung aus eigener Erfahrung berichtet, ist ein zentraler Baustein unseres Workshops. Er erzählt offen davon, wie er an einer bipolaren Störung erkrankte, wie die Therapie seine Situation komplett veränderte und wie gut es ihm jetzt wieder geht. Für die Schüler war es enorm wichtig, sich direkt mit ihm austauschen zu können.

    Wir waren begeistert, sehr viel positives Feedback von Schülern, Schulsozialarbeitern und Lehrern zu bekommen. Seit den ersten beiden Workshops haben wir Anfragen von anderen Schulen erhalten und arbeiten mit Hochdruck daran, so viele Klassen wie möglich zu besuchen.

    Haben Sie Interesse? Dann freuen wir uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen!

    „Wie kann ich tun, wenn es meinem Freund sehr schlecht geht?“
    „Woher kommt es, dass man bei einer Psychose Stimmen hört?“
    „Ab wann spürt man, dass man psychisch krank ist?“

    Die Fragen der Schüler zeigen, wie relevant das Thema für sie ist.

    Bild: Adrian Swancar (auf Unsplash)

    Ihre Ansprechpartner

    Catherine 
Barnes-Scheufler

    Catherine
    Barnes-Scheufler

    Ahmed 
Elgohary

    Ahmed
    Elgohary


    Psychische Erkrankungen entstigmatisieren - ein Engagement für die Inklusion

    Catherine Barnes-Scheufler kam über ein Forschungsstipendium der Stiftung Polytechnische Gesellschaft zur polytechnischen Familie. Sie ist in den USA geboren und hat in New York studiert. Ihre Doktorarbeit hat sie auf dem Gebiet der Neurowissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt verfasst. Heute ist der Lebensmittelpunkt der Wissenschaftlerin und ihrer Familie in der Mainmetropole. Inzwischen engagiert sich die ehemalige MainCampus-Stipendiatin im Rahmen der Jungen Polytechniker für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. In ihrer Arbeit ist Barnes-Scheufler oft mit der Vereinsamung und Isolation ihrer Patientinnen und Patienten konfrontiert worden. Sie sieht eine Ursache darin, dass das soziale Umfeld der Betroffenen und die Gesellschaft generell zu wenig über bestimmte Erkrankungen wissen und darüber, wie man damit umgehen kann. Ihr Anliegen ist es, die Aufklärung über psychische Störungen zu verbessern. Im Interview spricht Sie über ihr Engagement für Menschen in psychischer Not und erklärt in eingängigen Bildern den Gegenstand ihrer Forschungsarbeit.

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