Station 6: An der Hauptwache
Selbstständigkeit für Frankfurts Blinde

Im Jahr 1837 gründeten die Polytechnikerinnen und Polytechniker die zunächst im Katharinenkloster zwischen der heutigen Katharinenkirche und der Hauptwache untergebrachten Blindenanstalt. Dort sollten blinde Kinder moralisch, intellektuell und technisch ausgebildet werden, um sie für einen „angemessenen bürgerlichen Beruf tauglich zu machen“. Aufgrund einer beständig

wachsenden Zahl von Schülerinnen und Schülern musste die Anstalt in den ersten 100 Jahren mehrmals umziehen; mittels großzügiger Spenden aus der Bürgerschaft war es ihr möglich, sich stetig zu vergrößern.

Die schulische Ausbildung wurde ab dem Ende der 1850er Jahre durch eine Wohnstätte und eine Werkstatt für Flechtarbeiten ergänzt. Ziel der Anstalt war es, sich durch regelmäßige Aufträge selbst zu tragen, um so den Blinden ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Nach den traumatisierenden Zwangssterilisationen in der NS-Zeit und der fast vollständigen Zerstörung der Gebäude stabilisierte sich die Lage der Anstalt in den 1950er Jahren. Seit Mitte der 1970er kam es zu einem Wandel, mit dem arbeitstherapeutische Maßnahmen sowie der Umgang und die Ausbildung mit modernen Medien ins Zentrum rückten. Am heutigen Standort in der Adlerflychtstraße bestehen Wohnmöglichkeiten für blinde und sehbehinderte Menschen, das Programm umfasst außerdem Kunst- und Kulturangebote. Seit 2007 trägt die Anstalt den Namen Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.

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Stuhlflechterei der Blindenanstalt (um 1930)
Autor: Timo Spiegel