Die Jungen Polytechniker

Frankfurt ist stark geprägt vom Einsatz seiner Bürger für die Stadtgesellschaft. Auch viele junge Menschen engagieren sich. Die Stiftung Polytechnischen Gesellschaft fördert und unterstützt seit vielen Jahren junge Bürgerinnen und Bürger, die etwas in Frankfurt bewegen wollen. Seit 2019 setzt die Polytechnische Gesellschaft noch stärker auf die Einbindung junger Menschen in ihre Arbeit. Inzwischen engagieren sich Junge Polytechnikerinnen und Polytechniker in der Polytechnischen Gesellschaft und ihren Tochterinstituten und bringen ihre Ideen in die verschiedenen Aktivitäten ein. Auf dieser Seite wollen wir sie Ihnen vorstellen.

Psychische Erkrankungen entstigmatisieren - ein Engagement für die Inklusion

Catherine Barnes-Scheufler kam über ein Forschungsstipendium der Stiftung Polytechnische Gesellschaft zur polytechnischen Familie. Sie ist in den USA geboren und hat in New York studiert. Ihre Doktorarbeit hat sie auf dem Gebiet der Neurowissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt verfasst. Heute ist der Lebensmittelpunkt der Wissenschaftlerin und ihrer Familie in der Mainmetropole. Inzwischen engagiert sich die ehemalige MainCampus-Stipendiatin im Rahmen der Jungen Polytechniker für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. In ihrer Arbeit ist Barnes-Scheufler oft mit der Vereinsamung und Isolation ihrer Patientinnen und Patienten konfrontiert worden. Sie sieht eine Ursache darin, dass das soziale Umfeld der Betroffenen und die Gesellschaft generell zu wenig über bestimmte Erkrankungen wissen und darüber, wie man damit umgehen kann. Ihr Anliegen ist es, die Aufklärung über psychische Störungen zu verbessern. Im Interview spricht Sie über ihr Engagement für Menschen in psychischer Not und erklärt in eingängigen Bildern den Gegenstand ihrer Forschungsarbeit.

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Ideen für die Musik während der Pandemie

Die Polytechnikerin Astghik Beglaryan-Kazanjian (r.) ist Pianistin und angehende Musikpädagogin. In ihrer freien Zeit engagiert sie sich im Verein Kultur pur e.V., der kulturelle Events für Schulkinder organisiert. Als die Pandemie das Musikleben in den Opern, Konzerthäusern und Schulen weitgehend zum Erliegen brachte, setzte sie sich im Kammermusikverein, einem Tochterinstitut der Polytechnischen Gesellschaft, dafür ein, statt der abgesagten Konzerte Musikvideos mit den jungen Ensembles zu produzieren - eine gute Lösung, gerade für junge Musikerinnen und Musiker: Denn für sie sind die im Youtube-Kanal der Polytechnischen Gesellschaft gezeigten Videos eine langfristig nützliche Referenz. Gemeinsam mit der Polytechnikerin und Konzertpianistin Viviane Goergen (l.) hat Astghik Beglaryan-Kazanjian Ideen gesammelt, wie jungen Musikern in der kritischen Phase der Pandemie geholfen werden kann.

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Sprecher der Jungen Polytechniker

Der MainCampus-Stipendiat Erhan Deniz hat sich nach der Aufnahme der ersten Generation Junger Polytechniker dazu bereit erklärt, die Rolle des Sprechers für die Gruppe zu übernehmen. Im Juli 2021 hat er seine Aufgaben an seine Stellvertreterin Julia Schweizer übergeben. Im Gespräch erläutert Deniz seine Forschungsarbeit, spricht er über seine Erfahrungen mit zwei Sprachen und Kulturen und darüber, wie es ist, in Frankfurt in eine Polizeikontrolle zu geraten.

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Besuch im Bieneninstitut

Julia Schweizer und Erhan Çetiner, zwei Junge Polytechniker, haben einen Kurzfilm über das Institut für Bienenkunde gedreht. Bernd Grünewald, Leiter der 1937 gegründeten Einrichtung, informiert über die Neubaupläne für das Institut und den bevorstehenden Umzug des Teams. Und wir lernen: Die Bienen sind nicht begeistert. Also müssen sie gut auf ihr neues Zuhause vorbereitet werden...


„Der persönliche Kontakt ist entscheidend.“ Can und Kaan Kutbay über ihre Erfahrungen als angehende Lehrer

Sie repräsentieren die Polytechnische Gesellschaft auf der Titelseite des Tätigkeitsberichts 2019: die beiden Jungen Polytechniker Can und Kaan Kutbay. Schon als Grundschüler nahmen sie am „Deutschsommer“ der Stiftung Polytechnische Gesellschaft teil. Zusammen mit ihren Eltern wurden sie danach mit einem „Diesterweg-Stipendium“ gefördert. Später engagierten sie sich im Förderprogramm „Stadtteilbotschafter“ der Stiftung. Derzeit studieren beide an der Goethe-Universität. Can Kutbay möchte Sekundarstufenlehrer für Geschichte, Mathematik und Physik werden; Kaan Kutbay studiert auf Grundschullehramt. Seit Anfang 2020 sind die beiden Brüder Mitglied der Polytechnischen Gesellschaft. Im Interview sprechen sie über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen als angehende Lehrer.

Sie sind in Frankfurt aufgewachsen und hier zur Schule gegangen. Als Schüler hatten sie zum ersten Mal Kontakt zur polytechnischen Familie, genauer zur Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Wie kam es dazu?

Kaan: Mein Zwillingsbruder und ich sind langjährige Stipendiaten der Stiftung. Es hat angefangen im Jahr 2008. Die Stiftung hat damals ein dreiwöchiges Sommercamp für Drittklässler veranstaltet. Damals waren wir noch in der dritten Klasse. Das Sommercamp richtete sich an junge fleißige Schüler, die aber Probleme mit der deutschen Sprache hatten. Darauf folgte das Diesterweg-Stipendium, mit dem wir mehrere Jahre bis zum Gymnasium gefördert wurden. 2015 bekamen wir ein Stadtteilbotschafter-Stipendium der Stiftung. Der Kontakt zur Polytechnischen Gesellschaft kam dann durch den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Professor Roland Kaehlbrandt, zustande. Er hat uns als Junge Polytechniker vorgeschlagen. Wir haben uns klassisch beworben, wir mussten uns vorstellen, und schlussendlich wurden wir als Junge Polytechniker aufgenommen.

Worin besteht Ihr Projekt als Stadtteilbotschafter?

Can: In unserem Projekt „Deutsch verbindet“ geht es darum, geflüchteten Menschen die deutsche Sprache beizubringen, aber nicht in einem klassischen Unterricht, sondern eher praktisch, indem die Schüler nach draußen gehen, mit anderen Menschen sprechen und so in konkreten Handlungen die Sprache erlernen. Unsere ersten Schüler waren auch in unserem Alter, das war ein Grund dafür, dass wir uns besser verstanden haben. Es hat viel Spaß gemacht. Wir machen das teilweise immer noch, nach vier Jahren. Wir haben gesehen, dass es viel besser gelingt, Erfolge zu erzielen, wenn man die Sprache wirklich erlebt und in realen Situationen praktiziert.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Kaan: Unser Anspruch war es, die deutsche Sprache nicht nur im schulischen Kontext zu fördern, sondern auch die deutsche Kultur, die Gesellschaft und vor allem Frankfurt hautnah zu vermitteln. Das ist uns mit Hilfe von Ausflügen, Exkursionen und persönlichen Treffen gelungen.

Can: Wir hatten einen Mix aus Theorie und Praxis. Natürlich haben wir auch gezeigt, wie Sätze aufgebaut sind, was Verben sind und so weiter. Nachdem die Schüler das gelernt hatten, haben wir uns draußen getroffen und haben zum Beispiel Passanten nach dem Weg gefragt. Wir sind in Museen gegangen, und die Schüler mussten erklären, was es dort zu sehen gibt.

Kaan: Wenn es darum ging, sich für einen Job zu bewerben, haben wir bei der Bewerbung und dem Lebenslauf nachgeholfen. Wir haben gezeigt, wie ein Vorstellungsgespräch aussehen könnte, und typische Fragen gestellt, die der Chef vielleicht fragen könnte. Es ging vor allem um alltägliche Dinge.

Welche Rolle haben ihre eigenen Erfahrungen als Schüler gespielt, als Sie dieses Projekt für die Stadtteilbotschafter konzipiert haben.

Can: Als Kinder haben wir selbst wie eine Arbeiterfamilie gelebt – mit sehr vielen Problemen aufgrund sprachlicher Barrieren. Wir hatten den Willen, etwas zu machen, aber wir hatten nicht die Möglichkeiten dazu. Das ist heutzutage bei vielen Kindern auch so: sie möchten ihre Situation verbessern, und die Eltern wollen das auch, aber sie können nicht. Wir wissen, wie man dagegen ankämpfen kann. Es ist wichtig, nicht nur den Schüler anzusprechen, sondern auch die Eltern einzubeziehen, wie es das Diesterweg-Stipendium macht. Die Eltern spielen eine sehr wichtige Rolle. Wenn die Eltern und die Lehrer nicht miteinander sprechen, dann wird es sehr schwierig für das Kind.

Wie sollte die Elternarbeit konkret aussehen?

Kaan: Das fängt beim Elterngespräch an. Für die Lehrkraft ist es schon ein Erfolg, wenn beide oder wenigstens ein Elternteil zum Elternabend kommen. Aber es geht darum, die Eltern regelmäßig über den Stand der Kinder zu informieren. Regelmäßiger Kontakt, regelmäßiger Austausch, das ist zentral. Auch eine gewisse Transparenz ist wichtig, weil viele Eltern, die nicht aus Deutschland kommen, dieses Schulsystem gar nicht kennen und nicht genau wissen, welche Wege ihr Kind einschlagen kann. Das Wichtigste ist, dass die Lehrkräfte von sich aus auf die Eltern zugehen, denn die meisten Eltern trauen sich nicht, den ersten Schritt zu machen.