Station 9: Alte Mainzer Gasse, Ecke Buchgasse
Die polygeschlechtliche Gesellschaft?

Die Alte Mainzer Gasse 12 beheimatete ab 1853 eine Unterkunft für Frauen, die in Frankfurt eine Anstellung als Dienstbotin suchten. Betrieben wurde diese vom Verein zum Wohle der dienenden Klasse, einer Tochter der Polytechnischen Gesellschaft. Der Verein wollte damit arbeitssuchende Frauen geschützt und unbescholten in Anstellung vermitteln.

Für die Bildung von Frauen – in beruflicher wie häuslicher Hinsicht – stritt der 1876 gegründete Frankfurter Frauenbildungs-Verein, in dem sich die Frauen des Frankfurter Bürgertums organisierten. Unterstützt wurden sie von der Polytechnischen Gesellschaft. Ziel war dabei jedoch weniger politische Emanzipation, als mehr die Förderung vor allem in den traditionellen häuslichen Tätigkeiten.

Wie aber wirkten Frauen selbst in der Polytechnischen Gesellschaft? Laut der ersten Satzung von 1816 war nur „ein jeder (…) gesittete Mann, christlicher Religion“ als Mitglied zugelassen. Dennoch wurde bereits 1835 die erste Polytechnikerin, Cornelie Charlotte Nies, aufgenommen. Die Anteile blieben jedoch stets gering: während Frauen lange Zeit nie mehr als vier Prozent der Mitglieder stellten, sind es inzwischen circa zwanzig.

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Gasthaus zum Karpfen mit dem Heim für arbeitssuchende Dienstbotinnen (um 1910)
Autorin: Friederike Odenwald