Das Familien-Prinzip

Die Polytechnische Gesellschaft hat in den vergangenen 200 Jahren 50 Tochterinstitute gegründet. Die Anlässe waren immer aktuell. Verantwortungsvoll und mit dem Wunsch zu gestalten und zu verbessern, nahmen sich die Polytechniker verschiedener Themen an. Einige Tochterinstitute gingen in städtische Trägerschaft über, andere wurden verkauft oder lösten sich wieder auf, um Platz für neue Initiativen zu schaffen. Heute gehören sieben Tochterinstitute zur Polytechnischen Familie, die sich - von der Mutter finanziell gefördert - für Kultur, Wissenschaft, Bildung und Soziales einsetzen.


Die Tochterinstitute

Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte

Gründung 1837. Blinde und sehbehinderte Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu lassen – dafür setzt sich die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte seit ihrer Gründung durch die Polytechnische Gesellschaft 1837 ein. Heute stellt sie dafür W ohnraum und Möglichkeiten der Rehabilitation bereit: Unter anderem lernen Blinde hier die Blindenschrift, Computer und elektronische Medien zu nutzen und sich ohne Hilfe im Verkehr fortzubewegen. Die Stiftung ermöglicht Aus- und Weiterbildungen in attraktiven Medienberufen. Aufgrund der hohen Zahl an sehbehinderten, vorwiegend an Makuladegeneration erkrankten Senioren bietet sie eine spezielle psychosoziale Beratung an. In ihrer Skulpturen- und Musikwerkstatt können betroffene Menschen künstlerisch aktiv werden.


Wöhler-Stiftung

Gründung 1846. Beinahe dreißig Jahre lenkte August Anton Wöhler die Geschicke der Polytechnischen Gesellschaft: Von 1821 bis 1850 prägte er ihr bis heute bestehendes und unverwechselbares Profil. Anlässlich seiner 25-jährigen Amtszeit als Präsident der Gesellschaft richtete diese 1846 zu seinen Ehren die Wöhler-Stiftung ein, die zu dieser Zeit begabten, aber mittellosen Frankfurtern eine berufliche Ausbildung ermöglichte. Heute unterstützt die Stiftung eine ihr besonders nahe stehende Bildungseinrichtung, die Wöhlerschule – auch eine Gründung der Polytechniker. Sie fördert wichtige Projekte und zusätzliche Angebote der Schule wie die Bienen- und Roboter-Arbeitsgemeinschaften, den Bereich Neue Medien sowie die Ausstattung der Schule mit moderner Technik für die Arbeit in den naturwissenschaftlichen Fächern.


Kunstgewerbeverein in Frankfurt am Main

Gründung 1877. Der Kunstgewerbeverein in Frankfurt am Main ist Freund und Förderer des Museums Angewandte Kunst und Tochterinstitut der Polytechnischen Gesellschaft. Er gründete und verwaltete die Frankfurter Kunstgewerbeschule (jetzt Teil der Städelschule) und das seit 1922 städtische Museum Angewandte Kunst (früher: Museum für Kunsthandwerk). Heute unterstützt der Kunstgewerbeverein das Museum u. a. bei der Ergänzung seiner Sammlungen. Er fördert durch eigene Veranstaltungen die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Spielarten der Angewandten Kunst und des Kunsthandwerks in Geschichte und Gegenwart. 2008 übernahm er die Restaurierung der Historischen Villa Metzler des Museums Angewandte Kunst. Dank seiner Arbeit ist die Villa ein lebendiger Veranstaltungs- und Bildungsort am Frankfurter Museumsufer geworden.


Institut für Bienenkunde

Gründung 1937. Ganz im polytechnischen Sinne verbindet das Institut für Bienenkunde naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit praktischer Bienenhaltung: Die Einrichtung wird gemeinsam von der Polytechnischen Gesellschaft und der Universität Frankfurt getragen und ist dem Fachbereich Biowissenschaften zugeordnet. Unter dem Neurobiologen Prof. Dr. Bernd Grünewald erforscht sie das Gehirn der Honigbiene und beantwortet die Frage, wie Bienen lernen. Zugleich sucht das Bieneninstitut neue Wege zur Bekämpfung von Bienenkrankheiten, insbesondere zur Kontrolle der Varroamilbe, und bildet Nachwuchswissenschaftler und Imker aus. Von hohem Rang ist daneben die Aufklärung der Öffentlichkeit über die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung der Bienen in Form von Vorträgen und Führungen für Erwachsene und Kinder.


Kuratorium Kulturelles Frankfurt e.V.

Gründung 1957. Das Kuratorium Kulturelles Frankfurt hat sich ein Ziel gesetzt: Impulse zu geben. Neben der bildenden Kunst und der Literatur greift es wichtige Themen der städtischen Lebenswelt auf und stellt urbane Fragen in ihrer Vielfalt zur Debatte. In Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Führungen und Förderprojekten. In seinen Vorträgen legt der gemeinnützige Verein dabei ein besonderes Augenmerk auf Architektur, Stadtplanung und gesellschaftliche Aspekte der Stadt. Zudem gibt er für seine Mitglieder die Broschüre „Kulturelle Kurznachrichten“ heraus. Sie informiert nicht nur über die eigenen Veranstaltungen und jene der Polytechnischen Familie, sondern spiegelt auch das reiche Kulturangebot der Stadt wider. Weil Kultur verbindet.


Verein zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker e.V.

Gründung 1959. Fest im Konzertleben verankert ist der gemeinsam mit der Frankfurter Sparkasse gegründete „Verein zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker“. Mit Werken für alle Kammermusikbesetzungen bis hin zum Kammerorchester, mit Soloauftritten sehr junger, aber auch arrivierter Künstler, mit selten zu hörenden Kompositionen und außergewöhnlichen Ensembles hat der Verein in bereits mehr als 1.000 Konzerten anspruchsvolle Konzertliteratur präsentiert. Durch die Stiftung des Kammermusikpreises im Jahre 1998, der jährlich das beste Kammermusikensemble der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main auszeichnet, hat die Polytechnische Gesellschaft diese Förderung noch einmal intensiviert. Dieses Engagement für junge Musiker, verbunden mit dem Anspruch, jedermann kostenlosen Zugang zu klassischer Musik zu bieten, ist bis heute das Kernanliegen des Vereins.


Stiftung Polytechnische Gesellschaft

Gründung 2005. Mit einem Kapital von 397 Mio. Euro errichtete die Polytechnische Gesellschaft im Jahr 2005 die Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sie ist operativ und fördernd in drei Themenfeldern aktiv: 1. Bildung, Wissenschaft und Technik; 2. Kunst, Kultur und Pflege des kulturellen Erbes; 3. Soziales, Humanitäres und Karitatives. Die Stiftung sieht sich als „Werkbank“ der Stadtgesellschaft Frankfurt am Main. Zwölf Leitprojekte kennzeichnen ihre Tätigkeit. Sie reichen vom DeutschSommer über das Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern und das MainCampus-Stipendiatenwerk bis zu den StadtteilBotschaftern. Immer geht es dabei um Bildung und Verantwortung im umfassenden Sinne.