Frankfurter Allgemeine Zeitung FRANKFURT Donnerstag, 16.10.2008, Nr. 242 / Seite 44

Aus den Vortragssälen

Wolfgang Schneider: "Phonologische Bewusstheit - Schlüssel zum erfolgreichen Erlernen der Schriftsprache"

Kinder sollten stärker in ihrer Sprachentwicklung gefördert werden: Das fordert Wolfgang Schneider, Professor für Psychologie an der Universität Würzburg. "Die Erziehung der Kinder kann nicht nur auf die Schule oder den Kindergarten abgewälzt werden. Auch die Eltern haben eine Verantwortung", sagte Schneider. In einem Vortrag stellte er auf Einladung der Polytechnischen Gesellschaft seine Studien zur "Phonologischen Bewusstheit" vor.

Dabei geht es darum, Vorschulkindern ein Gefühl für Sprache zu vermitteln. Mit Hilfe von Reimspielen sollen Buchstaben und Wörter für Kinder erfahrbar gemacht werden. Ziel ist es dabei, Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie) zu erkennen und zu behandeln. Negative Umwelteinflüsse, mit denen die Kinder aufwüchsen, wie etwa ein ungünstiges soziales Milieu, wirkten sich auf den Spracherwerb aus. Die Entwicklung der Lesekompetenz sei ein vielschichtiger Prozess, der gezielt gefördert werden müsse. Die Fähigkeit zur Wiedererkennung von Buchstaben und Wörtern verbessere sich mit zunehmendem Alter. Sie sei aber nicht bei allen Kindern von vornherein gleich gut ausgeprägt. Ohne Förderung blieben Leseprobleme auch über mehrere Jahre bestehen.

Die von Schneider entwickelten Lehrprogramme setzen daher schon im Kindergartenalter an. "Die Kinder, die spielerisch gefördert wurden, zeigten nach einem Jahr deutliche Verbesserungen in ihrem Leseverhalten", sagte er. Regelmäßige und kurze Trainingseinheiten hätten dabei den größten Erfolg gezeigt. "Wichtig war es vor allem, motivierte Erzieherinnen zu finden." Die gezielte Förderung dürfe nicht unterbrochen werden. Gefährlich sei es aber auch, die Kinder zu überfordern, da es auf den spielerischen Aspekt ankomme. Die Lust an der Sprache müsse schon früh geweckt werden.

jans.

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