Briefkopf der Gesellschaft zur Beförderung nützlicher Künste & deren Hülfswissenschaften
Gründung 1816
Geschichte der Polytechnischen Gesellschaft
Modern aus Tradition

Gründung bis zur Deutschen Revolution 1848/49
Mehr als einhundertneunzig Jahre reicht die Geschichte der Polytechnischen Gesellschaft mittlerweile zurück: Am 24. November 1816 gründen weitblickende und aufgeschlossene Frankfurter Bürger die Polytechnische Gesellschaft oder „Frankfurtische Gesellschaft zur Beförderung der nützlichen Künste und der sie veredelnden Wissenschaften“, wie sie bereits in der zweiten Sitzung genannt wird.
 
In dem Bewusstsein ihrer Verantwortung gegenüber allen Bürgern der Stadt vereinigen sich Kaufleute, Gelehrte und Handwerker, um dem Gemeinwohl zu dienen, ihren Mitbürgern Kenntnisse wirtschaftlich-technischer Art zu vermitteln und um den Aufstieg ihrer Stadt zu fördern. Die Namen der dreiunddreißig Philantropen, die die Gründungsurkunde unterzeichnen, haften heute kaum mehr im Gedächtnis; unter ihnen sind aber damals bekannte Persönlichkeiten wie der Bankier Simon Moritz von Bethmann, der Arzt Prof. Dr. Theodor Kestner, der Verleger Johann David Sauerländer oder der zu jener Zeit erst sechsundzwanzig Jahre alte Pädagoge Adolf Diesterweg. Bereits 1817 treten der Freiherr vom Stein der Gesellschaft bei und die Chemiker Justus von Liebig und Friedrich Wöhler, und Johann Wolfgang von Goethe wird Ehrenmitglied.
 
Schon die ältesten Urkunden tragen das Signet des Bienenkorbes, dem Symbol von Fleiss und Gemeinsinn. Zu ihrem ersten Präsidenten – oder wie es damals hieß: zum proponierenden Secretär – wählen die Mitglieder den Professor am Gymnasium Francofurtanum Johann Heinrich Moritz Poppe, der dieses Amt bis zu seinem Wechsel nach Tübingen bekleidet.
 
Fortschrittliche Ideen auf technischem, wirtschaftlichem, kulturellem und sozialem Gebiet in Frankfurt zu popularisieren - das ist in der Anfangszeit die selbstgestellte Aufgabe der Polytechnischen Gesellschaft. Gerade in seinen ersten Jahren wirkt der Verein in diesem Sinne als ein Forum, das Projekte von Erfindern, Künstlern und Handwerkern, die das praktische Leben vereinfachen sollen, begutachtet und unterstützt.
 
In diesem Sinne führt beispielsweise der Freiherr von Drais 1818 sein Fahrzeug den Mitgliedern der Gesellschaft vor, und 1819 wird in der Großen Eschenheimer Gasse versuchsweise die Gaslaternenbeleuchtung eingerichtet. Doch so hehr diese Anstrengungen auch sind, die gesellschaftliche Entwicklung jener Umbruchzeit verlangt nach mehr:
 
Als eine Art ‚Mittelstandsförderung’ gründen daher schon 1817 die Polytechniker eine Sonntagsschule für Handwerker, die den Bildungsinteressierten kostenlos Unterricht in Schönschreiben, Buchführung, Zeichnen, Rechnen, Geometrie, Geographie und Naturkunde erteilt. Durch den unermüdlichen Einsatz von August Wöhler, der seit 1821 für die folgenden annähernd dreißig Jahre der Polytechnischen Gesellschaft vorsteht und sie maßgeblich prägt, kann allen Schwierigkeiten zum Trotz das volle Schulprogramm regelmäßig und dauerhaft angeboten werden.
 
Präsident August Wöhler ist es auch, der gegen den Widerstand einzelner Mitglieder im Jahre 1820 den Vorschlag aufgreift, in Frankfurt eine Sparkasse einzurichten. Im März 1822 genehmigt der Engere Rat der Stadt die Gründung einer Sparkasse mit dem Charakter einer gemeinnützigen Stiftung. Ihr Zweck soll sein, wie es im Genehmigungsantrag heißt, „unbemittelten Personen, Dienstboten, Handwerkern und dergl. eine Gelegenheit darzubieten, ihre kleinen Ersparnisse sicher und verzinslich anlegen zu können (...) und die Ansammlung eines kleinen Kapitals für Zeiten der Not und für das Alter zu erleichtern“.
 
Am 12. Juni 1822 öffnet die Frankfurter Sparkasse in der Großen Sandgasse ihre ‚Schalterhalle’ im Hause des Weinhändlers Peters, und Bergrat Buderus stiftet als erste Einlage einhundert Gulden auf ein Sparkonto zugunsten der Sonntagsschule – bezeichnend für den Geist der Gründer, die Sparkasse als wohltätiges Institut zu errichten: Hier finden von nun an Geringverdiener wie Mittelschicht Möglichkeiten zur Sicherung ihrer Finanzen, hier werden die Spargroschen der Dienstboten, Gesellen und Armen als Altersvorsorge zinsbringend und dauerhaft angelegt. Ehrenamtlich arbeitende Direktoren und stattliche Garantiefonds der Mitglieder sichern das Unternehmen und machen die Gründung der Sparkasse zur ersten sozialfürsorgerischen Tat der Polytechnischen Gesellschaft.
 
Weitere Initiativen und Gründungen folgen rasch: 1824 eine Modellierschule; 1825 eine Schule für Mechanik; 1826 eine Ersparnisanstalt; 1828 eine Abendgewerbeschule; 1835 wird der Gewerbeverein gegründet. Neben den Fördermaßnahmen des Mittelstands wird das karitative Engagement verstärkt: 1830 entsteht eine Suppenküche, die kostenlos Essen an die Armen verteilt; 1832 der Verein zum Wohle der dienenden Klasse, der sich der Vermittlung von Arbeitsstellen für Hausangestellte widmet; 1837 wird die Stiftung Blindenanstalt gegründet. Zudem werden weitere Unterrichtskurse angeboten, Gemäldeausstellungen Frankfurter Künstler organisiert oder im Institut für Garten- und Feldbaukultur ab 1831 im Bereich ‚Agrarwissenschaften’ geforscht.
 
Die drei Arbeitsfelder der Polytechnischen Gesellschaft
Bereits in den ersten beiden Jahrzehnten ihres Bestehens haben sich so feste Institutionen in all jenen Bereichen etabliert, die für ein weiteres Jahrhundert die Arbeitsfelder der Polytechnischen Gesellschaft bilden: BILDUNG, NATURWISSENSCHAFT, HANDEL UND GEWERBE sowie KARITATIVES und KULTURELLES ENGAGEMENT. Es würde zu weit führen, hier alle Initiativen und Gründungen aufzuführen, deshalb seien nur einige exemplarisch genannt:
 
Der Gründung der Sparkasse folgen im Bereich HANDEL UND GEWERBE noch etliche weitere Initiativen, die den Mittelstand fördern und den weniger Begüterten Möglichkeiten zum Sparen und zur Altersvorsorge zur Verfügung stellen, etwa 1826 die Ersparnisanstalt und 1881 die Pfennigsparanstalt. Das Institut zur Beförderung der Sittlichkeit und des Wohlverhaltens unter der dienenden Klasse sowie der Gewerbeverein, beide 1835 gegründet, sehen sich als Qualifizierungsstätte für Hausangestellte und als kaufmännisches Netzwerk. 1862 wirkt die Polytechnische Gesellschaft mit bei der Gründung der Frankfurter Gewerbekasse (später in der Frankfurter Volksbank aufgegangen), und 1865 übernimmt sie den Verein für Volkswirtschaft und Gewerbe.
 
Auch wenn sich bereits 1817 eine Gruppe ausschließlich naturwissenschaftlich Interessierter von der Polytechnischen Gesellschaft löst und in der neugegründeten Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft zusammenfindet, bleibt das Engagement in diesem Bereich den Polytechnikern ein großes Anliegen. Mit der Errichtung der Wöhler-Stiftung und 1872 mit der Aufnahme des Technischen Vereins in die Polytechnische Familie wird die Arbeit für die NATURWISSENSCHAFTEN intensiviert und institutionalisiert. Ab diesem Zeitpunkt beginnt auch die Vortragsreihe, naturwissenschaftliche und technische Themen zu popularisieren. Dem Forschergeist der Polytechniker folgend wird ab 1936 mit dem Institut für Muskelflug ein damals faszinierender Forschungsbereich gefördert, dessen Arbeit aber im zweiten Weltkrieg eingestellt werden muss. Das 1937 gegründete Institut für Bienenkunde, heute als Teil des Fachbereichs Biologie fest mit der Universität verbunden, wird in den kommenden Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten wissenschaftlichen Forschungszentren seiner Art werden – und ist als Hort ihres Wappentieres für die Polytechniker von besonderer Bedeutung.
 
Die Errichtung der Stiftung Blindenanstalt als erstem Institut im KARITATIVEN BEREICH wurde schon erwähnt; bereits seit 1830 unterhält die Polytechnische Gesellschaft darüberhinaus eine Suppenküche, der einige Jahre später die Einführung der Schulkinderspeisung folgt, und in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts initiiert die Gesellschaft ein Wohnheim für stellenlose weibliche Hausangestellte.
 
Für den Bereich der BILDUNG UND VOLKSBILDUNG setzen sich die Polytechniker in ganz unterschiedlichen Weisen ein: 1828 entsteht eine Abendgewerbeschule, eine Vorläuferin der Volkshochschule, 1852 eine Höhere Gewerbeschule, zehn Jahre später eine Handelsschule. Ab 1858 bietet der Stenographische Verein kostenlos Kurzschrift-Lehrkurse an. Den Frankfurter Frauenbildungsverein unterstützt die Polytechnische Gesellschaft ab 1876 und fördert ab 1889 Haushaltungskurse. Auch die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, ein Vorläuferinstitut der Frankfurter Universität, kann ab 1901 auf den Beistand der Polytechnischen Gesellschaft zählen. Die Förderung der Handwerkerausbildung ist ihr noch 1935 ein großes Anliegen, als sie zu diesem Zweck eine Stiftung ins Leben ruft, und mit der Wöhler-Stiftung gewährt sie seit 1846 begabten, aber mittellosen Frankfurtern eine berufliche Ausbildung.
 
Während in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens ein wesentliches Augenmerk der Polytechnischen Gesellschaft auf ‚nützlichen Künsten’ liegt wie der Einrichtung gewerblicher Bildungsanstalten, die weniger begüterten Bürgern die Möglichkeit geben, ihr Leben aus eigenen Kräften erfolgreich zu gestalten, werden im Laufe der Zeit die ‚schönen Künste’, die Förderung von KUNST UND KULTUR immer wichtiger. Sie sind gleichwohl schon früh ein Anliegen der Polytechniker; neben den bereits erwähnten Kunstausstellungen in der Katharinenkirche lässt sich beispielsweise der Einsatz der Polytechnischen im Bereich der Stadtplanung im Jahr 1837 anführen, als sich die Gesellschaft um die Verlegung des Grindbrunnens an die Untermainanlage bemüht. Als in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts die Stadt von dem gesellschaftlichen Nutzen der polytechnischen Bildungseinrichtungen überzeugt ist, werden etliche von ihnen in eine städtische Trägerschaft übergeben und das Engagement für Kunst und Kultur verstärkt. Mit der Gründung des Mitteldeutschen Kunstgewerbevereines 1877 bekommt die Förderung von Kunst und Kultur noch mehr Gewicht; aus seiner Initiative heraus entsteht 1881 das Museum für Kunstgewerbe, das die Bedeutung des Kunsthandwerks stärken soll. In diesen Zusammenhang fällt auch die Gründung der Kunstgewerbeschule 1879, die 1923 in der Städelschule aufgehen wird, und die Cöntgen-Fleck’sche Stiftung zur Ausbildung junger Künstler, die 1881 übernommen wird.
 

Die zwei Weltkriege
Die umfassenden sozialen, politischen und ökonomischen Veränderungen ab 1918 gehen auch an der Polytechnischen Gesellschaft nicht spurlos vorüber. Ihre Kapitalerträge sind inflationsbedingt kaum mehr in der Lage, die vielen gemeinnützigen Verpflichtungen aufrechtzuerhalten, und die Sparkasse, deren Erträge ja die Arbeit ihrer ‚Schwestern’ zu großen Teilen finanziert, gewinnt wie alle anderen Geldinstitute erst im Laufe der 1920er Jahre das Vertrauen der Kunden in Bankgeschäfte zurück.
 
Glücklicherweise gelingt es der Polytechnischen Gesellschaft, die Kunstgewerbeanstalten in die Trägerschaft der Stadt zu übergeben, so dass diese ihre Arbeit weiterführen können. Auch der finanzielle Druck, der auf der Stiftung Blindenanstalt lastet, kann gemindert werden, als Stadt und Land sich zu einer Teilübernahme der Kosten bereit erklären. Ihr gemeinnütziges Wirken trotz großem Druck aufrechterhaltend, übersteht die Polytechnische Gesellschaft so die für sie gar nicht ‚goldenen’ Zwanziger.
 
Die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten bedeutet für alle progressiven Vereinigungen in Deutschland eine einschneidende Zäsur. Das polytechnische Netzwerk, das die Frankfurter in ihrem humanitären Wirken vereint, ist dem NS-Regime äußerst suspekt. Auch die enge Verbindung zur Frankfurter Sparkasse wird als unerwünscht angesehen, da die NSDAP diese als willkommene Geldquelle betrachtet. Aus diesem Grund werden dort nach und nach alle wichtigen Positionen mit Parteimitgliedern besetzt, bis die Sparkasse 1935 schließlich mit dem NS-Regime gleichgeschaltet ist.
Richard Wachsmuth, der Präsident der Polytechnischen Gesellschaft, steht der NSDAP zwar skeptisch gegenüber, kann aber den Kontrollverlust über die Sparkasse ebenso wenig verhindern, wie die neue Satzung, die der Gesellschaft 1936 aufgezwungen wird. Von diesem Zeitpunkt an wird auch die Polytechnische Gesellschaft von den Nationalsozialisten kontrolliert. Präsident Wachsmuth tritt zurück, ranghohe NSDAP-Mitglieder werden in Führungspositionen der Polytechnischen Gesellschaft berufen. Nicht-Ariern ist eine Mitgliedschaft nicht länger erlaubt.
Auch die Tochterinstitute müssen Eingriffe des NS-Staats hinnehmen. In der Blindenanstalt müssen sich aufgrund des Gesetzes zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ mehrere Bewohner der Zwangssterilisation unterziehen. Während des Zweiten Weltkrieges wird die Blindenanstalt zu einem „wehrwirtschaftlichen Betrieb“, in dem unter anderem Kleidung für das Militär hergestellt wird. Die Bombenangriffe auf Frankfurt fügen sowohl der Polytechnische Gesellschaft, als auch ihren Tochterinstituten schwere Schäden zu. Bei Kriegsende liegt sie - wie das gesamte städtische Bürgertum - in Trümmern.
 
Die Nachkriegszeit
Dem Untergang folgt ein Neubeginn: Bald nach Kriegsende kann die Sparkasse ihre Geschäfte wieder aufnehmen; das Bemühen, die aufgelösten Stiftungen Wöhler und Cöntgen-Fleck neu zu etablieren, bleibt jedoch erfolglos. Erst 1962 wird die Wöhlerstiftung zum einhundertvierzigsten Geburtstag der Sparkasse mit einem soliden Grundkapital wiedererrichtet und vergibt seither Stipendien an Frankfurter Nachwuchswissenschaftler.
 
Bis 1956 ihre Wohn- und Wirtschaftsgebäude in der Frankfurter Innenstadt wiederaufgebaut sind, setzt die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte in Villmar ihre Arbeit fort. In den sechziger Jahren wandeln sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und ermöglichen Sehbehinderten in hochspezialisierten Einrichtungen eine moderne Berufsausbildung. Heute ist die 
Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte ein Zentrum mit deutschlandweit einmaligen Angeboten für Blinde und Sehbehinderte.
 
1949 findet das Institut für Bienenkunde in Oberursel seinen neuen Standort. Seit 1965 gehört es zum Fachbereich Biologie der Frankfurter Universität und erwirbt in den folgenden Jahren einen international ausgezeichneten wissenschaftlichen Ruf. Mit den am Modellorganismus Biene möglichen Forschungen im Bereich der Neurobiologie hat sich in der letzten Zeit ein wichtiger neuer Arbeitsschwerpunkt etabliert. Über den Verkauf von Honig trägt das Institut einen Teil seiner Kosten selbst.
 
Als nach dem Krieg die dringendsten materiellen Wünsche gestillt sind und das Bedürfnis der Bürger nach Kultur erneut erwacht, kommen im Kuratorium Kulturelles Frankfurt Bürger zusammen, um mit Initiativen, Ausstellungen und Konzerten der Kultur wieder Gehör zu verschaffen. 1961 wird das KKF in die Polytechnische Familie aufgenommen; mit etwa dreißig Veranstaltungen im Jahr ist es bis heute eine gewichtige Stimme im Kanon Frankfurter Kulturinstitute.
 
Nicht nur die Kultur im allgemeinen, auch die Musik im besonderen braucht nach 1945 einen starken Fürsprecher in Frankfurt. Mit der Gründung des Vereins zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Künstler 1959 setzt sich die Polytechnische dafür ein: Seither kann im Foyer des Kundenzentrums ihrer Sparkasse, später auch in den umliegenden Gemeinden, jedermann bei freiem Eintritt dem Können erstklassiger, vor allem jüngerer Interpreten und der besten Nachwuchstalente der Frankfurter Hochschule zuhören.
 
Aus dem „Mitteldeutschen Kunstgewerbe-Verein“ wird 1973 der „Kunstgewerbeverein in Frankfurt“, der als Freundeskreis die Arbeit des Museums für Kunsthandwerk (heute Museum für Angewandte Kunst) vielfältig begleitet. Heute unterstützt der Kunstgewerbeverein das Museum bei Neuerwerbungen, Publikationsvorhaben, Ausstellungen und Sondervorhaben wie der Restaurierung der Historischen Villa.
 
Die Polytechnische Gesellschaft heute
Während ihrer langjährigen Geschichte hat die Polytechnische Gesellschaft kontinuierlich ihre Fähigkeit zum Wandel bewiesen. Immer wieder hat sie sich mit aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen auseinandergesetzt und versucht, Entwicklungen anzuregen und positiv zu beeinflussen; immer offen für Neues, haben die Polytechniker unzählige Ideen in die Tat umgesetzt. Waren Stadt und Öffentlichkeit von der Notwendigkeit bestimmter Einrichtungen überzeugt, konnten ihr diese in treue Hände übergeben werden, und hatte ein Institut seine historische Aufgabe erfüllt, war die Polytechnische Gesellschaft froh, zu dieser gesellschaftlichen Entwicklung beigetragen zu haben. Die heute noch als selbständige Institute bestehenden Einrichtungen existieren in diesem Sinne nicht als Relikte einer vergangenen Epoche, sondern aufgrund der unvermindert bestehenden Aktualität ihrer Zielsetzungen.

Der Verkauf der Frankfurter Sparkasse im Jahre 2004/5 bedeutet nichtsdestotrotz einen großen Einschnitt: Mehr als einhundertachtzig Jahre nach ihrer Gründung erfordern die Veränderungen eines globalisierten Kapitalmarktes für das Traditionshaus mit großem Privatkundenstamm eine neue Form der Trägerschaft. In der Hessischen Landesbank wird ein Partner gefunden, der langfristig die besondere soziale Verantwortung der Sparkasse für ihre Frankfurter Bürger sichern und tragen kann.
 
Und so ergibt sich für die Polytechniker die Möglichkeit, ein weiteres Mal den Intentionen der Gründer zu folgen: Mit 397 von 435 Millionen Euro, die aus dem Verkauf der Sparkasse erlöst wurden, errichtet die Polytechnische Gesellschaft die Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die Stiftung ist operativ und fördernd in drei Themenfeldern aktiv: 1. Bildung, Wissenschaft und Technik; 2. Kunst, Kultur und Pflege des kulturellen Erbes; 3. Soziales, Humanitäres und Karitatives. Zwölf Leitprojekte kennzeichnen ihre Tätigkeit. Sie reichen heute vom "DeutschSommer" über das "Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern" und das "MainCampus-Stipendiatenwerk" bis zu den "StadtteilBotschaftern". Der Frankfurter Bürgerstiftung geht es dabei immer um Bildung und Verantwortung im umfassenden Sinne.
 
So ist die Polytechnische Gesellschaft heute mit ihren sieben Töchtern ein bedeutender local player in vielen Bereichen des städtischen Lebens.


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In guter Gesellschaft

„Wir wollen in Frankfurt nicht Einwohner, sondern Bürger dieser Stadt sein!“, erklärte der Polytechniker Max Flesch-Thebesius im Mai 1954 in der Auseinandersetzung zwischen städtischen Gremien und engagierten Bürgern um den Wiederaufbau des Opernhauses. Dieses Zitat beschreibt anschaulich das Selbstverständnis jener Frankfurter Bürger, die sich seit 1816 in der Polytechnischen Gesellschaft zusammenfinden.